Ehemalige Stiftskirche St. Richardis, Andlau, Elsaß



Kaiserin Richardis, Gemahlin von Karl dem Dicken, gründete im Jahr 880 hier in Andlau eine Abtei. Die Abtei war ein Damenkloster für Adelige aus dem Elsaß. Sie war das Gegenstück zum Murbacher Mönchskonvent. Nach der Revolution wurde aus der Klosterkirche die heutige Pfarrkirche Sankt Peter und Paul. Die ehemalige Klosterkirche wurde mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Der älteste noch erhaltene Teil ist die Krypta aus dem 11. Jh. Dort befindet sich eine Bärenskulptur und eine Klappe, die geöffnet werden kann. In die vertiefte Öffnung stellten sich die Pilger, um für Heilung zu beten. Der Legende nach soll es die Stelle sein, an der eine Bärin der Kaiserin Richardis gezeigt hatte, wo die Kirche gebaut werden sollte.
Kaiserin Richardis wurde 1049 von dem aus dem Elsaß stammenden Papst Leo IX heiliggesprochen. Im Chor der Abteikirche ruhen in einem Reliquienschrein aus dem 14. Jh. die Gebeine der Kaiserin.
Das Hauptportal mit seinem Skulpturenschmuck und der reich bebilderte Fries an West- und Nordseite zählen zu den Hauptwerken der Romanik im Elsass und sind um 1130-1140 entstanden. Am Türsturz wird die Geschichte von Adam und Eva, Schöpfung und Sündenfall sowie Vetreibung aus dem Paradies gezeigt. Im Bogenfeld überreicht der thronende Christus Petrus den Schlüssel und Paulus das Buch. Paradiesbäume mit Vögeln rahmen die Szene ein. Beide Seiten des Portals sind mit Figuren und Rankenwerk geschmückt. Hauptsehenswürdigkeit dürfte aber das fast 30m lange Figurenfries an der Fassade sein. Es zeigt Fabeltiere, Schlachterszenen, eine Hirschjagd, Kämpfer in Rüstungen, eine auf einem Delfin reitende Sirene, Lanzenreiter, Löwenszenen und die Legende von Hatto und dem Bären und anderes.


Aufnahmen: 1/2014, Quelle: Schautafeln an der Kirche
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